Die Einwohnerratswahlen verliefen fast ein bisschen im Schatten der mit Spannung erwarteten Stadtrats- und Stadtammannwahlen.Doch auch die Wahl der 50 neuen Einwohnerräte für die Amtsperiode von 2018 bis 2021 brachte fröhliche Gewinner und eher zerknirschte Verlierer hervor (Wahlbeteiligung 46,5 Prozent).

Zu den Gewinnern darf sich die FDP zählen, holte sie sich doch den vor einem Jahr verlorenen Sitz wieder zurück und bildet mit 11 Sitzen weiterhin die stärkste Fraktion im Parlament (sehen Sie unten alle Resultate zur Einwohnerratswahl Baden). Die 25-jährige Unternehmerin Franziska Schoop wird neu Einsitz im Einwohnerrat nehmen. Weil der bestgewählte FDP-Einwohnerrat Philippe Ramseier (1939 Stimmen) in den Stadtrat gewählt wurde, rutscht die diplomierte Maschineningenieurin Vera de Vries nach.

Bemerkenswert: Von den elf FDP-Einwohnerräten sind deren sechs Frauen. Partei-Co-Präsident Oliver Steger: «Der Sitzgewinn ist ein Mega-Erfolg für uns, wenn man sieht, wie die anderen bürgerlichen Parteien Sitzanteile verloren haben.» Steger – er belegte gestern den 18. FDP-Platz – zeigt sich vor allem erfreut, dass es der FDP in Baden nach und nach gelinge, das Image der Banker- und Anwaltspartei abzustreifen. «Wir sprechen immer mehr Junge und Frauen an, die nicht zuletzt aus dem Gewerbe kommen.»

Auch Fraktionspräsident Adrian Humbel äussert sich sehr erfreut zum Wahlausgang: «Ich bin froh, dass es – trotz bedauerlichen Verlusten bei den Bürgerlichen – nicht zu einem Linksrutsch gekommen ist.» Die GLP werde jetzt das Zünglein an der Waage spielen, «wobei ich schon davon ausgehe, dass die Grünliberalen gerade bei Wirtschaftsfragen eher auf unserer, also bürgerlichen Linie politisieren». Humbel sieht den Erfolg der FDP auch darin begründet, «dass die Wähler uns zutrauen, gerade in Finanzfragen etwas zu verstehen».

SVP verliert einen Viertel

So gross die Freude bei der FDP, so gross die Enttäuschung auf der Seite der SVP, die fast 3 Prozent Wähleranteil einbüsst und somit zwei ihrer Sitze verliert. Nicht mehr angetreten war Simon Sommer; abgewählt wurde Christoph Perrin. Bestgewählte SVP-Parlamentarierin ist Ratspräsidentin Stefanie Heimgartner mit 1427 Stimmen. Noch 2005 machte die SVP einen Sprung von fünf auf acht Sitze. «Die Niederlage gilt es so zu akzeptieren und ist nicht schönzureden», sagt SVP-Präsident Serge Demuth.

Bedauerlich sei insbesondere auch, dass das bürgerliche Lager als Ganzes geschwächt worden sei. «Das vereinfacht die Situation für uns im Einwohner natürlich nicht.» Was die Gründe für den Verlust der zwei Sitze sind, kann Demuth auch nicht genau sagen. «Es war sicher nicht dienlich, dass mit Andi Bauer, Reto Caprez und meiner Wenigkeit die drei bestgewählten SVP-Einwohnerräte während der laufenden Legislatur ihren Rücktritt erklären mussten. Hinzu kam, dass wir leider nicht mit dem breitesten Kandidatenfeld in den Wahlkampf ziehen konnten.»

CVP: Optimismus nicht verloren

Die CVP verlor derweil einen Sitz; Einwohnerat Toni Ventre wurde abgewählt. Kam die Fraktion bei den Wahlen 2005 noch auf stolze elf Sitze, sind es nun noch deren sieben. Bestgewählter CVPler ist Unternehmer Karim Twerenbold mit 1562 Stimmen. FC-Baden-Präsident Thomi Bräm verpasste die Wahl in den Einwohnerrat um etwas mehr als 200 Stimmen.

Co-Präsident Simon Binder ist enttäuscht über den Sitzverlust: «Das Ziel war, die Sitze zu halten. Dass es nun Toni Ventre als ausgewiesenen Finanzpolitiker trifft, ist besonders schade.» Trotzdem ist Binder optimistisch: «Wir sind auf einem guten Weg und schauen optimistisch in die Zukunft», gibt sich Binder kämpferisch.

SP verpasst ihr eigenes Ziel

Ebenfalls nicht zufrieden ist die SP, auch wenn sie keinen Sitz verloren hat und nun allein mit neun Sitzen die zweitgrösste Fraktion bildet. Nach den Grossratswahlen im Herbst, als die Sozialdemokraten im Bezirk Baden fast vier Prozent zulegen konnten, durfte man Ähnliches auch für die Parlamentswahlen in Baden erwarten. Doch gestern Sonntag verlor die SP in Baden fast ein Prozent Wählerstimmen. «Unser Ziel war es, stärkste Fraktion im Einwohnerrat zu werden. Deshalb sind wir natürlich enttäuscht», sagt Parteipräsidentin Selena Rhinisperger. Immerhin habe man in Baden einen sehr fairen Wahlkampf erlebt. «Was die Gründe für den Wählerrückgang sind, müssen wir jetzt genau analysieren», sagt Rhinisperger. Interessantes Detail am Rand. Hätte Karin Bächli als bestgewählte Einwohnerrätin gestern den Sprung in den Stadtrat geschafft, hätte dies das Comeback von Stefanie Kessler bedeutet. Kessler gehörte schon einmal dem Parlament an, ehe sie aus der Stadt zog.

Grüne holen sich Sitz zurück

Umgekehrte Vorzeichen bei den Grünen und dem Team Baden. Vor vier Jahren gewann das Team einen Sitz dazu, während die Grünen einen Sitz abgaben. Heuer holten sich die Grünen den Sitz quasi wieder vom Team zurück. Abgewählt wurde Yahya Hassan Bajwa (team). Iva Marelli, Co-Präsidentin des Team Baden, sagt: «Wir freuen uns zumindest, dass unser verlorener Sitz zu den Grünen ging.» Aber man bedaure natürlich den verlorenen Sitz von Yahya Hassan Bajwa sehr. Immerhin: «Wir sind mit acht Sitzen immer noch die drittgrösste Fraktion im Rat», sagt Marelli.

Neu im Rat für die Grünen ist Corinne Schmidlin, die fast zwanzig Jahre lang bei der Stadtökologie Baden gearbeitet hat und jetzt die Stabstelle Nachhaltigkeit beim Kanton Aargau leitet. Die Präsidentin der Grünen, Bea Schilling, konnte sich einen Freudenschrei nicht verkneifen, als sie das Resultat vernahm. Mit einem zusätzlichen Sitz kommen die Grünen neu auf vier Sitze im Einwohnerrat.

Schilling sagt: «Wir sind überglücklich, dass wir gestärkt in die nächsten vier Jahre gehen. Der Sitzgewinn sei für die Grünen nicht ganz überraschend gekommen: «Wir haben viel Rückhalt gespürt und hatten eine gute Liste.» Punkto Verkehr habe sie das Gefühl, dass viele Leute sich ein Umdenken wünschen in Baden, sagt Schilling. Denn: «Vieles läuft verkehrstechnisch nicht gut in der Stadt. Wir haben schlechte Luft- und Lärmwerte. Und wir möchten eine Stadt zum Wohnen, nicht zum Parkieren.»

Unverändert mit einem Sitz ist derweil die EVP im Badener Parlament vertreten. Alex Meier konnte den Sitz für die Evangelische Volkspartei verteidigen.