Freie Fahrt für Velos – AZ

Okt 10, 2016 Kommentare deaktiviert für Freie Fahrt für Velos – AZ gian

Freie Fahrt für Radfahrer dank durchgehenden Farbstreifen am Strassenrand?

Zürich malt 50 cm breite Streifen für Velofahrer auf die Strasse. So etwas sollte es auch hier geben, findet Gian von Planta.

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«Das wäre auch für Baden eine Lösung. Zum Beispiel an der Mellingerstrasse. Nicht bindend, aber wirksam!» Diese Zeilen schrieb der Badener GLP-Politiker und Grossratskandidat Gian von Planta in diesen Tagen auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Mit «Lösung» ist ein durchgehender Farbbalken von rund 40 bis 60 Zentimetern am Rand der Fahrbahn gemeint. Dieser soll Autofahrer dazu bringen, Abstand zu halten und damit Platz für Velofahrer zu machen. Solche Fahrbahneinfärbungen wurden kürzlich auf verschieden Strassen in der Stadt Zürich angebracht – auf Abschnitten, wo es für einen klassischen Radstreifen keinen Platz hat.

«Dieses Problem haben wir in Baden grundsätzlich auch», sagt von Planta. Es gebe einige Stellen, an denen der Platz für einen klassischen Velostreifen, der mindestens 1,25 Meter breit sein muss, fehle. «Die Mellingerstrasse ist ein gutes Beispiel dafür.» Konkret: im Bereich Schadenmühleplatz und Bahnüberführung. «Dort würde es Sinn machen, man würde einen solchen Farbstreifen anbringen», sagt er. Denn auf diese Weise könnten Velofahrer der Fahrzeugkolonne entlang direkt Richtung Lindenplatz fahren – ohne hinter den Autos warten oder den alternativen Veloweg auf der Stadtbachstrasse nehmen zu müssen.

Müller: Farbstreifen seien zu schmal

Doch wie steht die Stadt Baden zu diesem Vorschlag? Man erachte die rund 50 Zentimeter breiten Farbstreifen als eindeutig zu schmal, sagt Stadtammann und Ressortvorsteher Stadtentwicklung, Geri Müller (Team Baden). «Sie signalisieren den Verkehrsteilnehmern eine vermeintlich sichere Situation, welche nicht gegeben ist.» Dieser Meinung ist auch Hubert Kirrmann, Präsident von Pro Velo Baden: «Von einem Farbstreifen halten wir nicht viel. Die Mehrheit der Autofahrer ist sich gar nicht bewusst, was ein solcher Balken überhaupt soll.»

Anders ist es in Zürich. Wie Martin Guggi von der Dienstabteilung Verkehr vor einer Woche dem «Tages-Anzeiger» zu Protokoll gab, hätten Versuche gezeigt, dass sich die Autofahrer tendenziell zur Mitte der Strasse orientieren, wenn es solche Balken gibt. Res Marti, Präsident der Lobby Pro Velo Zürich, sagte, man sei froh, gebe es diese Möglichkeit, und dass die Stadt die Streifen dort einsetze, wo eine grössere Änderung der Infrastruktur erst langfristig möglich sei. Doch: Farbbalken «sind eine Notlösung und nichts weiter», zitierte die Tageszeitung Marti weiter.

Wie die Stadt Zürich verfügt auch Wettingen über solche Farbstreifen: Sie wurden 2008 auf der Schartenstrasse angebracht. Sie seien zwar nicht als offizielle Radstreifen zu qualifizieren, machen aber die geforderte Rücksichtnahme zwischen Fahrradfahrern und Automobilisten deutlicher, sagt Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer.

Velostreifen kommt

Hubert Kirrmann von Pro Velo Baden schlägt als Alternative zu den Farbstreifen vor, im besagten Abschnitt auf der Mellingerstrasse einen richtigen Velostreifen anzubringen. «Diese sind gesetzlich zwar erst ab einer Fahrbahnbreite von sechs Metern zulässig. Aber es gibt auch Ausnahmen», sagt er. So messe die Bruggerstrasse auf Höhe Kappelerhof weniger als sechs Meter, dennoch wurde ein Velostreifen angebracht. «Dieser ist etwas enger als die gesetzlichen 1,25 Meter, aber immer noch besser als gar kein Velostreifen.»

Für die Stadt Baden eilt das Anbringen einer Markierung nicht. Auch, weil im Anschluss an den Schulhausplatzumbau das Projekt Mellingerstrasse/Schadenmühle realisiert wird: Künftig werden die Radfahrer nach dem Schulhausplatz bis über den zu bauenden Burghaldekreisel hinaus aus Sicherheitsgründen auf einem entsprechend breiten Trottoir geführt. Zudem: «Die Mellingerstrasse im Abschnitt Schadenmühle verfügt dann wieder über Radstreifen von mindestens 1,25 Meter Breite», erklärt der Stadtammann. Der Baubeginn ist 2019 vorgesehen. Für die Zwischenzeit bis zur Umgestaltung, sagt Geri Müller, könne er sich nicht vorstellen, dass der Kanton einem Versuch mit einem minimalen Farbstreifen zustimmen würde, «falls dieser überhaupt Sinn machen würde».