Fehlende Mehrwert- abschöpfung verhindert Zürichs Entwicklung

Jun 19, 2014 Kommentare deaktiviert für Fehlende Mehrwert- abschöpfung verhindert Zürichs Entwicklung gian

Um es vorweg zu nehmen, der Vorschlag für die neue Bau- und Zonenordnung (BZO) enthält auch Gutes. So sind zum Beispiel die Grünflächensicherung und die neuen Zonen für Industrie und Gewerbe, sowie die vorgesehene Erdgeschossnutzung in Quartierzentren gute Ansätze. Eigentlich ist auch die Schaffung der neuen Zone W3b gut. Weniger gut, beziehungsweise gar nicht gut ist, dass die Mobilitäsproblematik überhaupt nicht angegangen wurde. Solange das Verhältnis von Wohn- zu Büroraum dermassen ungleich und der Büroraum nicht besser auf Subzentren verteilt ist, lösen wir mit der neuen BZO weder das Pendlerproblem noch tragen wir zur Senkung der Mieten bei.

Zurück zur neuen Zone W3b. Diese erlaubt 3 stöckiges Bauen, stellt aber gleichzeitig sicher, dass nur 30% der Grundstückfläche überbaut werden können.  Leider hat es der Stadtrat verpasst, diese Zone an Stelle der Zonen W2b und gebietsweise an Stelle der W2 zu setzen. Damit hätte Platz für eine Mehrausnutzung und Investitionsanreize bei gleichem Grundflächenverbrauch geschaffen werden können. Stattdessen schränkt die W3b nun nur die bestehende Zone W3 ein.

Anstatt Möglichkeiten für neuen Wohnraum zu schaffen, schränkt die neuen BZO diesen also zusätzlich ein. Die heutigen, auf die Parzellen heruntergebrochenen Reserven sind zu klein, als damit eine Bautätigkeit für neuen Wohnraum ausgelöst würde. Der Stadtrat lässt zwar durchblicken, dass er sich vorstellen kann, da und dort auf Gesuch hin und bei entsprechender Gegenleistung, einer Parzelle eine Mehrausnutzung zu zugestehen. Damit degradiert er jedoch die Eigentümer zu Bittstellern und macht sie abhängig vom Wohlwollen der aktuellen Regierung und nicht von gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Dies ist sicher kein investitionsfreundliches Umfeld und auch nicht der Sinn und Zweck einer Bau- und Zonenordnung. Diese will Sicherheit und klare Rahmenbedingungen schaffen, für alle statt für wenige (mit guten Beziehungen).

Die neue BZO verhindert so Investitionen in Wohnraum und das Entstehen eines Marktes. Dankbar können die Bewohner von Genossenschaften und die heutigen Wohneigentümer sein, die in einem quasi Kartell ihre Mietzinse diktieren können. Zu Lasten geht dies alles auf Kosten der Mieter, die eine Wohnung im freien Markt suchen müssen.

Der Stadtrat verzichtet also auf eine vernünftige Entwicklung der Stadt und trägt damit das seine zur Zersiedelung der Schweiz bei. Das er dies tut ist darauf zurückzuführen, dass er – durchaus verständlich – darauf pocht, dass bei Um- oder Aufzonungen ein Teil des dadurch für dein Eigentümer entstehenden Mehrwertes an die Allgemeinheit zurückfallen soll.

Diese Blockade beseitigen kann nur die Einführung der Mehrwertabgabe unter klaren Bedingungen bei Um- und Aufzonungen oder die Schaffung von Zonen mit Mindestanteilen von preisgünstigem Wohnbau. Bis es soweit ist, sitzt der Stadtrat mit der konservativen BZO am längeren Hebel. Die Einführung einer Mehrwertabgabe wäre also sowohl für die Stadt als Ganzes, als auch für die Eigentümer eine gute Sache.