Stefan Kalt, Direktor der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW), möchte das Seilbahnprojekt ins Rollen bringen. Vom Bahnhof Baden bis ins Bäderquartier soll eine Stadtseilbahn gebaut werden. Jetzt hofft Kalt, dass das Projekt auf der politischen Bühne angestossen wird. Eine erste Umfrage hat rundum eine zurückhaltende Begeisterung ergeben. Zurückhaltend deswegen, weil es noch an der Überzeugung fehlt, das Projekt auch zügig umsetzen zu können.

 Würde man aufgrund der Mitglieder der Facebook-Gruppe «Pro Seilbahn» schliessen, so scheint es, als ob Kalt den Stadtrat Baden bereits auf seiner Seite hat: Vier der sieben Stadträte sind Mitglied der Gruppe. Doch offiziell hat sich der Stadtrat noch nicht mit dem Seilbahn-Projekt befasst. «Es lohnt sich, das Vorhaben genauer anzuschauen», sagt sogar Stadtammann Geri Müller (team baden) dazu, der selber nicht Mitglied der Gruppe ist.

Erich Obrist (parteilos) und Regula Dell’Anno-Doppler (SP) sind Mitglieder der Seilbahn-Gruppe. Beide unterstützen das Projekt als Privatpersonen. «Aus meiner ganz persönlichen Sicht sollte das Projekt weiterverfolgt werden», sagt Obrist. Die Seilbahn wäre eine attraktive Anbindung der Bäder an die Bahn und würde den öffentlichen Verkehr auf der Strasse stark entlasten. Wie die beiden Endstationen aussehen und wie sie in die zum Teil historische Umgebung passen, könne er sich jedoch noch nicht vorstellen. «Deshalb interessiert mich die Planung der Firma Garaventa, und ich bin auch in Kontakt mit RVBW-Direktor Stefan Kalt.»

Für innovative Lösungen plädiert immer wieder Gian Planta (GLP). Er ist überzeugt, dass das Projekt realisierbar ist. «Als Kultur- und Bäderstadt ist Baden auf Bekanntheit und gute Verkehrsverbindungen mit dem öffentlichen Verkehr angewiesen.» Die Seilbahn würde laut Planta nicht nur ein Verkehrsproblem lösen, sondern auch eine Attraktion für Besucher darstellen. «Ein Ausflug ins Thermalbad inklusive Gondelbahn wäre für jedes Kind ein Highlight», so Planta. Doch er merkt an, dass die Finanzierung zu einem Knackpunkt werden könnte. Die Betriebe im Bäderquartier und das Casino müssten sich wohl beteiligen. Planta: «Was oft gut funktioniert, wäre das Sponsoring von einzelnen Gondeln. Oder man verbindet das Vorhaben mit dem Verkauf von Casino-Aktien der Stadt.

Auch der Badener Grossrat Jürg Caflisch (SP) findet die Idee einer Seilbahn prüfenswert. Die Finanzierung sei wohl das Fragezeichen: «Es braucht eine Auslegeordnung und eine saubere Kostenberechnung.» Laut Caflisch ist es unverständlich, dass die Frage der Erschliessung des neuen Bades erst nach der Baubewilligung angegangen werde. «Mit geplanten 500 000 Gästen pro Jahr ist das eine nicht unwesentliche Frage», sagt Caflisch.

Rolf Wegmann, Leiter der Entwicklungsplanung, meint, dass die Erschliessung der Bäder gewährleistet sei: «Es wird eine Buslinie bis ins Bäderquartier verlängert, es braucht keine Seilbahn.» Prüfen würde er die Option trotzdem. «Besonders Unterhalt und Betrieb müsste geklärt werden», sagt Wegmann. Fraglich bleibe ausserdem, wie sich so eine Seilbahn in das Stadtbild einfügen würde. Wegmann ist darum etwas unschlüssig: «Es ist eine spannende Idee und wäre sicherlich förderlich für das Standortmarketing. Nötig ist eine Seilbahn jedoch nicht.»