Das Stadion im „Wohn-Pelz“

Okt 22, 2012 Kommentare deaktiviert für Das Stadion im „Wohn-Pelz“ gian

Am 7. September 2003 sagte das Volk „Ja“ zu einem neuen Stadion Hardturm. Kosten für die Stadt: CHF 47 Mio. für Landabtretung (ohne Geldfluss) und Umgebungsbauten. Dafür erstellt und betreibt die Stadion Hardturm AG ein Fussballstadion mit 30‘000 Plätzen.

Heute sollen wir ein Stadion bauen, welches die Stadt CHF 150 Mio. kostet und dabei lediglich 16‘000 Plätze für internationale Spiele bietet. Darüber hinaus soll die Stadt das erwartete Betriebsdefizit von jährlich CHF 8 Mio. übernehmen.

Fehlender Weitblick und unbegründeter Zeitdruck

Auch wenn die Leidensgeschichte des Hardturm Stadions schon lange dauert, tut eine Neuorientierung not. Weshalb  muss ein Stadion in der  Stadt gebaut werden? Wären Orte wie Stettbach oder Altstetten nicht geeigneter und besser mit dem Zug erreichbar? Bräuchte es in der Stadt und besonders im Kreis 5 nicht viel mehr Wohnungen für all die Menschen, welche in den neu erstellten Büros arbeiten? Mehr Wohnungen im Kreis 5 helfen, Pendlerverkehr zu vermeiden.

Ein Nein zum geplanten Stadion ist nicht Zürichs Untergang. Das Stadion Letzigrund ist Nationalliga-tauglich und die dort stattfindenden Fussballspiele verbessern dessen Auslastung. Schon heute übernimmt die Stadt das jährliche, fast 9 Mio. grosse Betriebsdefizit des Letzigrunds. Mit dem neuen Hardturmstadion kämen nochmals 8 Mio. dazu, und das Defizit des Letzigrundes würde durch den Wegfall der Fussballspiele noch grösser.

Der Vertrag mit der CS, welcher beim Landkauf getätigt wurde, und in dem ein Fussballstadion festgeschrieben wurde, müsste neu verhandelt werden. Im  Vertrag steht aber nicht, dass die Stadt ein Stadion für CHF 150 Mio. bauen muss. Im schlimmsten Fall würde das Land zurück an die CS fallen, welche mit der Pflicht der Erarbeitung eines Gestaltungsplans neue Wohnungen bauen könnte. Trotz privatem Bauherr ist dies wohl nicht die schlechteste Lösung für die Stadt.

Parteien geeint für das neue Stadion

Bleibt die Frage, wie eine finanziell dermassen schlechte Lösung die Unterstützung aller grossen Parteien bekommt. Eine Unterstützung der sportverbandelten FDP (Stadtzürcher Fussballverband) oder der CVP Sport Connection war absehbar. Dass aber selbst die finanztechnisch höchst sensible SVP das Stadion einfach durchwinken will, erstaunt doch sehr. Fussball ist wohl auch der SVP heilig….

Und weshalb unterstützen die Grünen und die SP dieses Stadion? Sie kriegen mit dem Stadion 160 Wohnungen nicht nur zu Selbstkosten, sondern dank tiefem Baurechtzins vom Steuerzahler subventioniert.  Der Landwert wird mit 15 – 25% des aktuellen Wertes veranschlagt. Und um ganz sicher zu gehen, werden 50 der 160 Wohnungen zusätzlich verbilligt. Man weiss ja nie.

Wer also wissen möchte, wie man mit 50‘000qm bestens erschlossenem Bauland in der Stadt Zürich jährlich Millionen verlieren kann soll uns, die städtischen Politikern fragen.

Dieses Projekt ist der falsche Weg zu einem Fussballstadion für die Zürcher Clubs. Nehmen wir uns die Zeit für eine bessere Finanzierung und den Mut zur Suche eines neuen Standortes, auch ausserhalb der Stadtgrenzen. Dieses Stadion kann sich die Stadt nicht leisten und sollte dies auch nicht wollen.

PS: Der Autor kennt die Kabinengänge des alten Hardturms aus seiner Jugendzeit bei GC bestens und wünscht sich für seinen mittlerweile wieder richtig erfolgreichen Stadtclub ein richtig schönes Fussballstadion.